Mittwoch, 4. Mai 2016

Digitalisierung von Unis bei ARD Alpha Campus Magazin: Virtual Reality, Datensicherheit und Kiron

BR Alpha hat 3 Beiträge über die Digitalisierung von Universitäten erstellt, die auf der Webseite des Campus Magazins bzw. direkt unter diesen drei Links zu finden sind:




1. Virtual Reality an der Uni
http://br.de/s/2Fw09b7

2. Datensicherheit an der Uni
http://br.de/s/2Fx1SKy

3. Online-Uni Kiron
http://br.de/s/2Fvcyfn


Den letzten Beitrag finde ich natürlich besonders spannend, weil er direkt auf meine früheren Blogbeiträge referenziert. Mein "Mem" von Kiron als iTunes der Lehre hat auch seinen Weg in den Beitrag gefunden...

Freitag, 1. April 2016

E-Science: Informatik ist Muss als Grundlage für alle Wissenschaften

Albert Einstein nutzte eine Kreidetafel. Heutige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler brauchen Informatik.

In den Erd- und Umweltwissenschaften liefern Satelliten und Sensornetzwerke kontinuierlich massive Datenströme. Von den Sentinel-Satelliten des Europäischen Copernicus-Programms werden beim Deutschen Fernerkundungsdatenzentrum (DFD) bis zu zehn Terabyte pro Tag archiviert und verarbeitet. Am Deutschen Klimarechenzentrum (DKRZ) wird durch Klimasimulationen ein jährliches Datenwachstum von etwa 75 Petabyte erzeugt.
Lebenswissenschaften wie Molekularbiologie, Biomedizin oder Lebensmitteltechnologie können durch die Untersuchung molekularer Prozesse auf der Basis von Genom-Daten ein neues Verständnis von Lebensvorgängen erreichen. Dies kann zu maßgeschneiderten Therapien in der Medizin führen oder die Züchtung robuster und ertragreicher Nutzpflanzen ermöglichen. Die dafür notwendige Datenmenge ist allein im European Bioinformatics Institute (EBI) von 15 auf 25 Petabyte im Jahr 2015 angestiegen.
Um die Datenmengen aktueller Forschung verarbeiten zu können, stellt z.B. die European Grid Infrastructure (EGI) 530,000 logische CPUs, 200 Petabyte Festplattenspeicher und 300 Petabyte Bandlaufwerke zur Verfügung. Diese Ressourcen werden gemeinschaftlich von 350 Rechenzentren in 56 Ländern der Welt betrieben. EGI ist nur möglich durch leistungsfähige Datenbanken, schnelle Rechnernetze und hohe Parallelität.
Die Ergebnisse der Informatik verändern in allen Wissenschaftsbereichen technologische Rahmenbedingungen und die Art und Weise wie Forschung durchgeführt wird. Sie verändern damit auch Kostenstrukturen und schaffen verbesserte Grundlagen für Forschung und Innovation. Studien zeigen, dass der Mehrwert einer effizienten IT-Infrastruktur um das Zwanzigfache höher sein kann als deren operationelle Kosten.

Sonntag, 21. Februar 2016

Rekombination oder Akkreditierung - für einen Weg müssen wir uns entscheiden

In einem früheren Blogeintrag habe ich Kiron als das iTunes der digitalen Hochschullehre bezeichnet, da es Studierenden ermöglicht, sich durch Rekombination von Lehrveranstaltungen ein eigenes Curriculum zusammenzustellen.

Oliver Janoschka hat mir daraufhin auf dem HFD-Slack entgegnet, dass das ja nichts Schlechtes sein muss. Immerhin geht es der Musikindustrie dank iTunes jetzt besser als vorher. Aus Nutzersicht ist mehr Flexibilität möglich und es geht wirklich um "Studierendenzufriedenheit". Außerdem belebt Konkurrenz das Geschäft und zwingt starre Universitätsstrukturen vielleicht zu mehr Innovation. Alles richtig.

Einen Punkt möchte ich dennoch machen, und der zieht sich am ungeliebten Thema "Akkreditierung" hoch. Es gibt viel Bürokratisches, Unausgegorenes und Überflüssiges einer Akkreditierung von Studiengängen, was jeder nachvollziehen kann, der wie ich als Gutachter oder Studiengangverantwortlicher einen Akkreditierungsvorgang einmal mitgemacht hat.

Es gibt jedoch eine Grundidee bei der Akkreditierung, die (1) jenen nicht so fern sein sollte, die schon einmal eine Marketingvorlesung gehört haben und (2) sich um AACSB, EQUIS oder ähnliche international anerkannte Siegel dreht. Im Prinzip sendet eine erfolgreiche Akkreditierung ein Qualitätssignal aus, welches zeigt: "hier gibt es eine durchdachte Ausbildung von A bis Z, mit zusammenpassenden Modulen, die jemand mit Verstand zu einem Studiengang zusammengesetzt hat". Das umfasst gute und schlechte Vorlesungen und Professoren, online-fähige und nur offline verfügbare. Es bildet eine Marke für das Curriculum, für den Standort, für die Gruppe aller Dozentinnen und Dozenten an diesem Standort. Wer Akkreditierung ernst nimmt, arbeitet genau an dieser Marke und an diesem Selbstverständnis. International werden diese Akkreditierungen als Grundlage für Hochschulkooperationen und Studierendenaustausche manchmal sogar vorausgesetzt.

Und jetzt kommen wir noch einmal zurück zur Rekombination von Lehrinhalten durch "Online-Universitäten". Wer genau setzt denn hier "mit Verstand" den Studiengang zusammen? Der Algorithmus? Der Studierende selbst (der nur bei höchst optimistischer Sichtweise nach Inhalten geht, ansonsten wie an der normalen Uni nach kolportierten Durchschnittsnoten)? Der Dozent, der dadurch in einen Zwiespalt kommt, seine Ressourcen auf die Studierenden seiner eigenen Universität (die vielleicht wegen des Qualitätssignals dorthin gekommen sind) und seine Onlinehörer verteilen zu müssen?

Wenn wir Rekombination a la Kiron ernst nehmen, dann brauchen wir ein neues Geschäftsmodell für die Akkreditierung. Sonst ist sie nicht nur nicht effizient, so wie jetzt, sondern wird auch nie effektiv. Entweder begreifen wir ein Studium als Persönlichkeitsbildung, dann macht es Sinn, am Ganzen zu arbeiten, an einer Folge aus Lehrveranstaltungen, die eben nicht durch den Studierenden selbst kuratiert werden, sondern durch den Lehrer. Das verlangt ein Qualitätssignal durch die Institution selbst. Oder wir Hochschullehrer werden Freelancer, liefern einem Dritten zu, der dann selber eine Marke bildet - ohne unser Zutun. Es liegt in unserer Hand.

Mittwoch, 17. Februar 2016

Journalisten und Universitäten als Lotsen in Medien-Massen

In der aktuellen ZEIT vom 15. Februar 2016 ist ein Interview mit dem Verleger Georg von Holtzbrink zu lesen, der gefragt wurde, ob Digital der Tod der gedruckten Zeitung wäre und darauf folgendes antwortet:

"Die Reichweiten bei uns steigen, wenn ich die echt verkauften Print- und Digitalabonnements zusammenrechne. [...] Den Lesern geht es in dieser globalisierten und unruhigen Welt immer mehr um Orientierung. Die erhält man nicht, wenn man sich nur aus der Masse der verfügbaren Informationen bedient. Man braucht auch Zeitungen und Medien, die Unwichtiges von Wichtigem trennen, die sauber recherchieren und treffend kommentieren. Das halte ich für viel, viel wichtiger als je zuvor. Viele Menschen sind heute durch das Trommelfeuer der Negativ-Nachrichten so verunsichert, dass ihnen jede Zuversicht fehlt oder dass sie gar Demagogen folgen. Qualitätsmedien kommt die große Aufgabe zu, der Bevölkerung bei der Einordnung der Probleme und Wirren zu helfen. Ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt."

Und jetzt ersetzen wir einmal: Leser durch Studierende und (Qualitäts)medien durch Universitäten bzw. Professoren. Dann liest sich das ganze so:

Frage: Sind digitale Lehrangebote der Tod der klassischen, physischen Universität?

Den Studierenden geht es in dieser globalisierten und unruhigen Welt immer mehr um Orientierung. Die erhält man nicht, wenn man sich nur aus der Masse der verfügbaren MOOCs und Wikipedia bedient. Man braucht auch Professorinnen und Professoren, die Unwichtiges von Wichtigem trennen, die sauber analysieren und treffend kommentieren. Das halte ich für viel, viel wichtiger als je zuvor. Viele Menschen sind heute durch das Trommelfeuer der Negativ-Nachrichten so verunsichert, dass ihnen jede Zuversicht fehlt oder dass sie gar Demagogen folgen. Universitäten kommt die große Aufgabe zu, Studierenden bei der Einordnung der Probleme und Wirren zu helfen.

Professur = (von lateinisch profiteri in der Bedeutung „sich öffentlich als Lehrer zu erkennen geben“) = Meinung wagen.

Montag, 15. Februar 2016

Der digitale Dualismus und die Mensa

Aus dem sehr lesenswerten Buch von Eduard Kaeser: "Trost der Langeweile", S.36:

"[...] die Gleichung "offline = real" ist grundfalsch. [...] Diese Einsicht ist so umwerfend neu nicht, aber dennoch aufschlussreich. Denn sie unterstreicht den fundamentalen Punkt: es gibt nicht eine Welt des Physischen und eine Welt des Digitalen. Es gibt eine einzige Welt, in der Atome und Bits Platz haben. [...] Die "Mischexistenz" ist der Normalzustand. Wer am Morgen zu Kaffee und Gipfeli auf dem Tablet liest, exemplifiziert diesen Normalzustand in seiner vollen Banalität: er nimmt sowohl Atome als auch Bits zu sich."

Wie wahr. Eine digitale Universität hat keine Mensa. Aber in meiner Bayreuther Mensa sitzen die Studierenden mit Tablets in der Hand und diskutieren.

#hfd16 - das Pferd vom falschen Ende aufgezäumt?

Vor einigen Tagen war ich beim Klausurtag des Hochschulforum Digitalisierung in Berlin. Ich bin immer noch sehr beeindruckt von der Qualität der Gespräche und den klugen Expertinnen und Experten. Nicht alle Universitäten Deutschlands haben den Schuss schon gehört, fürchte ich. Diejenigen, die da waren, sind vermutlich eine Avantgarde - was durchaus heißen kann, dass man zu weit voraus ist und vor lauter Missionswillen über das Ziel hinaus schießt. Das will ich, auch für mich selbst, natürlich nicht ausschließen.
Pausenblick beim Hochschulforum Digitalisierung
Auf der Rückfahrt von Berlin nach Bayreuth bin ich dann allerdings doch ins Grübeln gekommen. Warum habe ich mich den ganzen Tag nur über E-Learning und MOOCs unterhalten? War Digitalisierung nicht mal dieses Ding, das ganze Branchen mit einem Fingerschnipp eines disruptiven Geschäftsmodells über den Haufen wirft? Ein gesellschaftliches und kulturelles Phänomen, welches unser Leben von morgen ganz anders aussehen lässt als das von heute?

HFD fokussiert derzeit auf die Lehre an Hochschulen. Das ist zu kurz gedacht. Digitalisierung bedeutet Veränderungen in der Art, wie wir Forschung betreiben und wie wir Forschungsergebnisse in Lehrinhalte umwandeln. Digitalisierung bietet Chancen, um effizient zu arbeiten -- einerseits um den Aufwand, den wir heute betreiben (müssen), um die Organisation Universität am Laufen zu halten, zu verringern. Andererseits: Digitalisierung ist Teil einer Strategie einer Universität in Forschung und Lehre - Universitäten, die ihren Wissenschaftlerinnen keine digitalen Zugänge, Forschungsressourcen, Kooperationsmöglichkeiten usw. bieten können, werden im Wettbewerb um die klügsten Köpfe verlieren.

Samstag, 6. Februar 2016

Kiron - das iTunes der universitären Lehre?

Kiron könnte das iTunes der universitären Ausbildung werden. Damit meine ich nicht die Aussichten auf Geld oder Bedeutung in der Welt. Es kann gut sein, dass es Kiron in einem Jahr nicht mehr gibt. Aber es ist sehr wahrscheinlich, dass es einen Nachfolger geben wird.

Kiron ist der erste Vorbote eines disruptiven Geschäftsmodells, welches eine Branche, die ein seit Jahrhunderten tradiertes Vorgehen pflegt, ziemlich durcheinander wirbeln könnte. Insofern steht es in einer Reihe mit Uber oder Airbnb, auch wenn es von deren ökonomischen Möglichkeiten noch weit entfernt ist.

Das Geschäftsmodell von Kiron ist die Aggregation und Koordination von Inhalten Dritter, so wie es Uber mit Autofahrten, Airbnb mit Wohnungen und Facebook mit persönlichen Nachrichten betreibt. Kiron aggregiert Lehrinhalte, die Universitäten weltweit in gutem Glauben und mit guten Absichten (bisher) kostenlos auf dem Netz veröffentlichen. Während Coursera oder Udacity als reine Plattformen gestartet sind, hat Kiron den Anspruch, aus den verfügbaren Materialien neue virtuelle Studiengänge zu bauen, deren Qualität besser ist als die der ursprünglichen Quellen. 

Und seien wir ehrlich: wer von uns hätte nicht am liebsten an einer Universität studiert, an der nur die besten Wissenschaftlerinnen lehren? An einer einzigen physischen Universität ist dies nicht möglich, dafür sind exzellente Wissenschaftler zu sehr über die ganze Welt verstreut. Indem ich deren MOOCs aggregiere, kann ich jedoch eine virtuelle Universität bauen. Ich filetiere die Studiengänge realer Universitäten und setze sie in Kiron neu zusammen. 

Das ist genau das, was iTunes mit den CDs gemacht hat. Auf einmal hatte jeder die Möglichkeit, aus einer CD nur die Lieder herauszugreifen, die er oder sie gut findet. Jeder Hörer kann sich seine Lieblingsmusik mixen und neu zusammenstellen. Die Komponisten verlieren dadurch aber ein wichtiges Element früherer Zeiten - die Zusammenstellung der Lieder in zeitlicher oder inhaltlicher Reihenfolge. Goodbye Konzeptalbum - Pet Sounds, Sergeant Pepper, Rocky Horror. Einzelne Lieder kennt jeder, aber die Reihenfolge?

Hallo Kiron. Goodbye Studiengänge?